Dienstag, 19. Februar 2008

Das Ende der Welt

"Some say, the world will end in fire, some say - in ice" schrieb einmal Robert Frost und hat damit nach dem jetzigen Stand der Forschung gar nicht so Unrecht. Das Ende der Welt, der Zeitpunkt, in dem alles, wirklich alles, was wir kennen, zu existieren aufhört, hat die Menschen schon lange beschäftigt. Lieder wurden darüber geschrieben, in religiösen Endzeitszenarien die schrecklichsten Dinge offenbart. Meistens geht die Welt dabei in einer gigantischen Katastrophe unter, wobei der Fantasie kein Tier zu abenteuerlich, keine Qual zu sadistisch und kein Schlacht-Tableau zu gigantomanisch ist. In Eis geht die Welt eher selten unter (ein Schelm, der dabei die höhere erzählerische Wirkung des Feuerinfernos gegenüber dem langweiligen Erkalten vermutet). Faszinierend war das Ende der Welt jedenfalls schon immer. Weltuntergangssekten-Mitglieder begingen sogar freiwillig scharenweise Selbstmord, damit sie, der irdischen Apokalypse entgangen, auf fernen Planeten ein neues Leben mit ihren Astralkörpern anfangen konnten. Inzwischen wissen wir ziemlich genau, wie das Ende der Welt ablaufen wird - je nachdem, was man als den Weltuntergang definiert, wird er, frei nach Robert Frost, sehr heiß oder eisig kalt.

Wenn wir auf unsere Erde abstellen, dann sollten wir uns in ca. fünf Miliarden Jahren eine gute Sonnencreme besorgen. Denn dann wird sich die Sonne aufgrund von veränderten Kernfusionsprozessen zu einem "roten Riesen" aufblähen, der Merkur und Venus verschlucken und die Erde rösten wird. Mit verdampften Ozeanen und Oberflächentemperaturen von über 1000 Grad lässt sich schwer überleben.

Erschreckend? Nein, nicht doch. So weit wird es nämlich gar nicht kommen. Schon zwei Milliarden Jahre zuvor wird es nämlich einen kapitalen Zusammenstoß geben zwischen der Milchstraße und der Andromeda-Galaxie (hier eine Animation). Sie fliegen zur Zeit ziemlich genau aufeinander zu. Sterne werden aufeinanderprallen, Gravitationswellen die Raumzeit erschüttern, die Laufbahn der Sonne und der Planeten verzerren und die Erde entweder in die Sonne stürzen oder von der Sonne wegziehen, damit sie von umherfliegenden Asteroiden und sonstigem Kollisionsmüll getroffen werden kann.

Feuer, Feuer überall - was ist denn mit dem Eis? Nun, dann müssen wir das wirkliche Ende der Welt abwarten - das Ende des ganzen Universums. Die geheimnisvolle "dunkle Energie", die die Ausdehnung des Universums immer weiter voranpeitscht, legt den Schluss nahe, dass es immer mehr und immer weiter expandieren wird. (Daher ist unsere Zeit übrigens die einzige Zeit in der Geschichte des Universums, in der wir Rückschlüsse auf dessen Entstehung ziehen können. Irgendwann in Zukunft wird aufgrund der immer stärker werdenden Ausdehnung des Weltalls kein einziger Stern am Himmel außerhalb der eigenen Galaxie mehr zu sehen sein - man wird also fälschlicherweise von einem statischen Universum ausgehen!) Am Ende gibt es schließlich den Kältetod. Die letzten Sterne sind verloschen, die Atome auseinandergefallen, ein dunkles, leeres, unendlich weites Nichts auf dem absoluten Temperaturnullpunkt (-273 °C) gähnt uns entgegen. Die Welt endet also im Eis. Aber bis dahin haben wir noch eine Menge Zeit, uns gegenseitig mit Massenvernichtungswaffen abzuschlachten, die Erde bis zur Unerträglichen zu verpesten und neuen Viren-Generationen zu erliegen. Genießen wir also die fröhliche Aussicht!

Ach so - das nächste Datum von Möchtegern-Untergangspropheten für das erwartete Ende der Welt ist gegenwärtig das Jahr 2012. Gaudeamus igitur!

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