Dies ist ein kleines Sammelsurium von Beiträgen über die Welt und das Dasein aus der humanistisch-säkularen Perspektive.
Wenn Du Dich also über einige Grunsatzfragen des Weltalls und des
(menschlichen) Daseins informieren willst, Dich aber nicht durch dicke
Wälzer und Abhandlungen quälen willst, bist Du hier genau richtig.
Natürlich ist die Darstellung stark komprimiert und vereinfacht,
aber sonst würde sie ihr Ziel verfehlen. Ich finde, erst wenn man
sich diese Gedanken gemacht hat und hinter die Kulissen blickt, geht
einem auf, wie grandios wunderbar die Welt um uns herum beschaffen
ist - besser, spannender und vielfältiger als alles, was die
althergebrachten Mythen, Märchen und Religionen erfinden konnten.
Denn schließlich ist es so, wie Steven Weinberg es zutreffend anmerkt:
"The
effort to understand the universe is one of the very few things
that lifts human life a little above the level of farce, and gives
it some of the grace of tragedy. "
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INHALT:
Gott, Metaphysisches und Pseudowissenschaften:
- Astro-Logik: .......................................... Was (für Unsinn) uns die Sterne flüstern.
- Das Ende der Welt...................................Herr Ober, die Rechnung, bitte!
- Der Exorzist........................................... Einer gegen die gesammelte Unvernunft
- Der Sinn des Lebens................................Endlich!
- Gotteshypothese ................................... Hallo, ist da oben jemand?
- Gottes-FAQ ........................................... Für alle, die noch nicht überzeugt sind.
- Rotkäppchen und der neue Gott................Wie man eine neue Religion aus dem Nichts erschafft
- Unsere unwahrscheinliche Welt.................Das fein abgestimmte Universum
Über den Menschen, wie er so ist:
- Der nicht allzu freie Wille.......................... Es lebe die Qual der Wahl!
- Der Oldtimer, der ich bin........................... Warum wir (noch) altern
- Du bist ich................................................Spieglein, Spieglein im Gehirn
- Ein ganz banaler Held...............................Holding out for a hero
- Geld und Glück........................................Ein Leitfaden für den geneigten Regierenden
- Ich sehe was, was ich nicht seh................Warum man gelegentlich einen Gorilla nicht bemerkt
- Kranke lustlose Egoisten...........................Die Zukunft der Menschheit
- Liebe in Zeiten des Urwalds......................Romantik aus evolutionspsychologischer Sicht
- Stehaufmännchen.................................... Eine prähistorische wahre Geschichte
Ein bisschen Philosophie und Weltverständnis:
- Das Ding an sich......................................Woraus besteht die Welt?
- Die drei Fragezeichen................................Nicht einmal das ist sicher!
- Die Frechheit des Lebens..........................Wir sind überall!
- Ein Modellbaukasten für die Welt................Und nichts als die Wahrheit!
- Reisen im Nichts.......................................Wegweiser für Zeitenwanderer
- Spinat und andere Bananen ..................... Über die ewige Halbwertszeit von Dummheiten
- Strafrecht und Willensfreiheit....................Ein Dialog, um den man nicht umhin kommt
- Von Äxten, Schiffen und Seelen.................Was bedeutet eigentlich das Wort "ich"?
- Zufall und Glück ...................................... Der große Jackpot
Kurioses und trotzdem Spannendes:
- Bin Ladens Albtraum................................In vino veritas
- Der Messias.............................................Die Erlösung ist nah!
- Pulp Fiction: .......................................... Geschichten aus dem nackten Leben
- Unsere stillen Kompagnons.......................Warum das Essen von Tieren ethisch falsch ist
- Y tu Mama tambien..................................Ein ganz vertrauter Alien
Dienstag, 10. Juli 2012
Unsere stillen Kompagnons
Es gibt viele Argumente gegen das Essen von Fleisch aus der heutigen Massentierhaltung - sie schadet der Umwelt, der Gesundheit der Menschen, und ist ineffizient, was die Energieausbeute für den Konsumenten angeht. All diese Gründe werden immer in Debatten angeführt, doch das eigentlich stärkste Argument - nämlich das ethische - wird oft unter den Tisch fallen gelassen. Das ändert aber nichts daran, dass der grundlegende ethische Vorwurf des Fleischkonsums in der heutigen Form zu Recht erhoben wird. Beim Otto-Normalbürger sind entweder ein komplettes Ausblenden des Problems zu beobachten (häufigster Fall), hilfsweise klägliche Versuche, den Zeigefinger schwingenden Vegetarier lächerlich zu machen, oder um so haarsträubendere Rechtfertigungsanläufe. Letztere werden aber mit so einer ernsten Miene vorgetragen, dass man doch glatt denken könnte, sie seien ernst gemeint. Nachfolgend daher ein kleines Waffenarsenal für eine Diskussion.
These: Es ist ethisch verkehrt, ein mit Bewusstsein ausgestattetes Wirbeltier sein Leben lang zu quälen und dann zu töten, nur weil man 10 Minuten lang ein angenehmes Gefühl im Mund haben will. Dieses zugefügte Leid bedarf einer Rechtfertigung, die es aber nicht gibt.
Gegenargumente (?)
Aber es gibt doch einen signifikanten Unterschied zwischen Tieren und Menschen!
So, welchen denn? Ja, zugegebenermaßen ist der Mensch schlauer. Aber warum sollen ausgerechnet seine geistigen Fähigkeiten ihn über andere Arten erheben? Der Gepard kann am schnellsten laufen, vielleicht ist er ja die Krone der Schöpfung. Oder ein Chamäleon, weil er die Körperfarbe wechseln kann? Ein Krokodil oder ein Hai, diese Champions der Evolution, weil es sie in fast unveränderter Form schon seit Millionen von Jahren gibt? All diese Eigenschaften sind marginale Unterschiede. Von Gemeinsamkeiten zwischen Menschen und Tieren, die wir essen, gibt es hingegen bedeutend viel mehr. Entscheidend sind insbesondere das Bewusstsein und die Fähigkeit Lust und Leid zu spüren. Und auf diese kommt es an, da es falsch ist, Leid zuzufügen, egal welcher biologischen Spezies.
Aber die ethische Gleichsetzung von Mensch und Tier ist doch realitätsfremd: Aus einem brennenden Haus würde doch jeder lieber das Kind als den Hund retten, wenn die Wahl bestünde!
Hier muss man unterscheiden zwischen Tod und Leiden: Das Leid des Küken beim Kürzen des Schnabels und des Menschen beim Abschneiden der Nase ist gleich, darauf wette ich, ohne je ein Küken gewesen zu sein. Was den Tod angeht, so kann man dagegen mit guten Gründen das Ableben eines Menschen als nicht von derselben moralischen Wertigkeit ansehen wie das einer Kuh. Dies zum Beispiel mit dem Argument, das Tier verfüge über kein Selbstbewusstsein, keine Vernunft, lebe ausschließlich im Augenblick und habe daher durch sein Leid und seinen Tod viel "weniger zu verlieren" als ein Mensch - es verliert zB nicht seine Pläne für die Zukunft oder die Sinngebung für sein Leben. In einer Notstandssituation wäre aus ethischer Hinsicht gemäß diesem gut vertretbaren Argument dem Leben eines Menschen der Vorzug zu geben. Es geht bei unserer Fragestellung aber nicht um einen Notstand, sondern um 10 Minuten gustatorischen Spaß. Und wenn wir die Schutzwürdigkeit eines Wesens hinsichtlich seiner Tötung nach seiner Intelligenz und dem Bewusstsein seiner selbst messen wollen, lasst uns doch alle Menschen mit schweren geistigen Behinderungen, alle Babys und alle Alzheimer-Patienten schlachten und essen!
Aber es ist widersprüchlich, Tiere nur zu Inhabern von Rechten zu machen, ohne dass sie Pflichten haben. Sie kümmern sich ja nicht um die Rechte von uns Menschen.
Es gibt auch unter Menschen Rechtssubjekte ohne Pflichten - ein Baby zB hat Rechte, man kann aber von ihm ethisch nicht fordern, dass es seine Windeln nicht vollmacht.
Aber in Freiheit würde es Kühen und Hühnern doch viel schlechter gehen - so sind sie wenigstens genährt, sitzen im Trockenen und fallen keinem Wolf zum Opfer!
Es ist schon seltsam, das Leid der Tiere mit dem hypothetischen größeren Leid anderer Tiere zu rechtfertigen. Genauso gut kann man als Elternteil sagen: "Ich gebe meinem Kind zwar zu wenig zu essen, aber Kinder in Afrika haben ja noch viel weniger." Das sind andere Kinder, deren Leid man nicht direkt verursacht. Genauso ist das hypothetisch in Freiheit (schlecht) lebende Huhn ein anderes Huhn als das, dem man Qualen zufügt.
Aber es das Gesetz der Natur, dass Tiere sich von anderen Tieren ernähren!
Wunderbar: Lasst uns unsere moralischen Standards von Wölfen und Tigern abschauen! "Warum isst Du Fleisch?" - "Na ja, der Wolf von nebenan macht's ja auch!" Das Argument ist natürlich aus zwei Gründen unsinnig. Erstens: Warum ausgerechnet die fleisch fressenden Tiere als "Vorbild" nehmen und nicht die Pflanzenesser? Zweitens: Fleisch fressende Tiere haben keine Wahl, sie wissen nicht, wie man sich anders ernährt. Menschen schon.
Wollen Sie damit sagen, all die Millionen Menschen, die Fleisch essen, seien moralische Krüppel? Es ist nun einmal gesellschaftliche Konvention, dass es einerseits Haustiere, andererseits Nutztiere gibt. Das ist beleidigend!
Gesellschaftliche Übereinkünfte ändern sich mit der Zeit, nachdem sich die Erkenntnis durchsetzt, dass sie änderungsbedürftig sind. Ein Mensch, der eine gesellschaftlich akzeptierte, aber ethisch dennoch falsche Handlung vornimmt, ist nicht gleich ein Monster, sondern - eben ein Mensch, der eine ethisch falsche Handlung vornimmt. Darin ist keine Beleidigung enthalten. Ob Nutztier (zum Ausbeuten) oder Haustier (zum Kuscheln) ist eine völlig willkürliche Unterscheidung, die je nach Land oder Kultur variieren oder auch ins völlige Gegenteil verkehrt werden kann.
Beide Seiten sollten einfach tolerant sein und einander nicht missionieren!
Dasselbe Argument würde man von einem Sklavenhalter des 18. Jahrhunderts hören, wenn man ihn nach der moralischen Rechtfertigung fragte. Toleranz ist fehl am Platz, wenn es um Leiden anderer geht.
Aber das Fleisch braucht man zur gesunden Ernährung!
Nein. Man muss sich einfach ein wenig Mühe geben.
Was bleibt also? Die Tatsache, dass das Töten von leidensfähigen Lebewesen zum Zweck des nachfolgenden Verspeisens Unrecht ist. Wie weit jeder das bei seiner Diätgestaltung berücksichtigen will, bleibt ihm oder ihr überlassen; man sollte aber immer das notwendige schlechte Gewissen mit sich tragen und daran denken, dass die "Nutztiere", unsere stillen Kompagnons, nur deshalb massenhaft gequält und getötet werden, weil sie sich nicht wehren können. Wir können also nur so gut zu ihnen sein, wie wir selbst beschließen.
These: Es ist ethisch verkehrt, ein mit Bewusstsein ausgestattetes Wirbeltier sein Leben lang zu quälen und dann zu töten, nur weil man 10 Minuten lang ein angenehmes Gefühl im Mund haben will. Dieses zugefügte Leid bedarf einer Rechtfertigung, die es aber nicht gibt.
Gegenargumente (?)
Aber es gibt doch einen signifikanten Unterschied zwischen Tieren und Menschen!
So, welchen denn? Ja, zugegebenermaßen ist der Mensch schlauer. Aber warum sollen ausgerechnet seine geistigen Fähigkeiten ihn über andere Arten erheben? Der Gepard kann am schnellsten laufen, vielleicht ist er ja die Krone der Schöpfung. Oder ein Chamäleon, weil er die Körperfarbe wechseln kann? Ein Krokodil oder ein Hai, diese Champions der Evolution, weil es sie in fast unveränderter Form schon seit Millionen von Jahren gibt? All diese Eigenschaften sind marginale Unterschiede. Von Gemeinsamkeiten zwischen Menschen und Tieren, die wir essen, gibt es hingegen bedeutend viel mehr. Entscheidend sind insbesondere das Bewusstsein und die Fähigkeit Lust und Leid zu spüren. Und auf diese kommt es an, da es falsch ist, Leid zuzufügen, egal welcher biologischen Spezies.
Aber die ethische Gleichsetzung von Mensch und Tier ist doch realitätsfremd: Aus einem brennenden Haus würde doch jeder lieber das Kind als den Hund retten, wenn die Wahl bestünde!
Hier muss man unterscheiden zwischen Tod und Leiden: Das Leid des Küken beim Kürzen des Schnabels und des Menschen beim Abschneiden der Nase ist gleich, darauf wette ich, ohne je ein Küken gewesen zu sein. Was den Tod angeht, so kann man dagegen mit guten Gründen das Ableben eines Menschen als nicht von derselben moralischen Wertigkeit ansehen wie das einer Kuh. Dies zum Beispiel mit dem Argument, das Tier verfüge über kein Selbstbewusstsein, keine Vernunft, lebe ausschließlich im Augenblick und habe daher durch sein Leid und seinen Tod viel "weniger zu verlieren" als ein Mensch - es verliert zB nicht seine Pläne für die Zukunft oder die Sinngebung für sein Leben. In einer Notstandssituation wäre aus ethischer Hinsicht gemäß diesem gut vertretbaren Argument dem Leben eines Menschen der Vorzug zu geben. Es geht bei unserer Fragestellung aber nicht um einen Notstand, sondern um 10 Minuten gustatorischen Spaß. Und wenn wir die Schutzwürdigkeit eines Wesens hinsichtlich seiner Tötung nach seiner Intelligenz und dem Bewusstsein seiner selbst messen wollen, lasst uns doch alle Menschen mit schweren geistigen Behinderungen, alle Babys und alle Alzheimer-Patienten schlachten und essen!
Aber es ist widersprüchlich, Tiere nur zu Inhabern von Rechten zu machen, ohne dass sie Pflichten haben. Sie kümmern sich ja nicht um die Rechte von uns Menschen.
Es gibt auch unter Menschen Rechtssubjekte ohne Pflichten - ein Baby zB hat Rechte, man kann aber von ihm ethisch nicht fordern, dass es seine Windeln nicht vollmacht.
Aber in Freiheit würde es Kühen und Hühnern doch viel schlechter gehen - so sind sie wenigstens genährt, sitzen im Trockenen und fallen keinem Wolf zum Opfer!
Es ist schon seltsam, das Leid der Tiere mit dem hypothetischen größeren Leid anderer Tiere zu rechtfertigen. Genauso gut kann man als Elternteil sagen: "Ich gebe meinem Kind zwar zu wenig zu essen, aber Kinder in Afrika haben ja noch viel weniger." Das sind andere Kinder, deren Leid man nicht direkt verursacht. Genauso ist das hypothetisch in Freiheit (schlecht) lebende Huhn ein anderes Huhn als das, dem man Qualen zufügt.
Aber es das Gesetz der Natur, dass Tiere sich von anderen Tieren ernähren!
Wunderbar: Lasst uns unsere moralischen Standards von Wölfen und Tigern abschauen! "Warum isst Du Fleisch?" - "Na ja, der Wolf von nebenan macht's ja auch!" Das Argument ist natürlich aus zwei Gründen unsinnig. Erstens: Warum ausgerechnet die fleisch fressenden Tiere als "Vorbild" nehmen und nicht die Pflanzenesser? Zweitens: Fleisch fressende Tiere haben keine Wahl, sie wissen nicht, wie man sich anders ernährt. Menschen schon.
Wollen Sie damit sagen, all die Millionen Menschen, die Fleisch essen, seien moralische Krüppel? Es ist nun einmal gesellschaftliche Konvention, dass es einerseits Haustiere, andererseits Nutztiere gibt. Das ist beleidigend!
Gesellschaftliche Übereinkünfte ändern sich mit der Zeit, nachdem sich die Erkenntnis durchsetzt, dass sie änderungsbedürftig sind. Ein Mensch, der eine gesellschaftlich akzeptierte, aber ethisch dennoch falsche Handlung vornimmt, ist nicht gleich ein Monster, sondern - eben ein Mensch, der eine ethisch falsche Handlung vornimmt. Darin ist keine Beleidigung enthalten. Ob Nutztier (zum Ausbeuten) oder Haustier (zum Kuscheln) ist eine völlig willkürliche Unterscheidung, die je nach Land oder Kultur variieren oder auch ins völlige Gegenteil verkehrt werden kann.
Beide Seiten sollten einfach tolerant sein und einander nicht missionieren!
Dasselbe Argument würde man von einem Sklavenhalter des 18. Jahrhunderts hören, wenn man ihn nach der moralischen Rechtfertigung fragte. Toleranz ist fehl am Platz, wenn es um Leiden anderer geht.
Aber das Fleisch braucht man zur gesunden Ernährung!
Nein. Man muss sich einfach ein wenig Mühe geben.
Was bleibt also? Die Tatsache, dass das Töten von leidensfähigen Lebewesen zum Zweck des nachfolgenden Verspeisens Unrecht ist. Wie weit jeder das bei seiner Diätgestaltung berücksichtigen will, bleibt ihm oder ihr überlassen; man sollte aber immer das notwendige schlechte Gewissen mit sich tragen und daran denken, dass die "Nutztiere", unsere stillen Kompagnons, nur deshalb massenhaft gequält und getötet werden, weil sie sich nicht wehren können. Wir können also nur so gut zu ihnen sein, wie wir selbst beschließen.
Dienstag, 28. Februar 2012
Geld und Glück
Dies ist kein Ort für die Weitergabe politischer Ansichten. Jedoch werden in neuerer Zeit immer mehr sozialkritische Fragen zum Zusammenhang zwischen Geld und Glück bzw. Lebenszufriedenheit gestellt, und es gibt mittlerweile relativ belastbare wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse, die uns darüber Auskunft geben. Was man daraus für konkrete Folgerungen zieht und wie man sie umsetzt - darüber sollen unsere Volksvertreter in eigener Zuständigkeit entscheiden. Sie sollen nur bitte keine Ziele verfolgen, die diesen Erkenntnissen von vornherein zuwiderlaufen.Geld regiert ja bekanntlich die Welt. Deshalb steht es oft im Mittelpunkt menschlichen Strebens - man hat das Gefühl, dass es immer zu wenig davon gibt. Doch macht es glücklich? Nun, es gibt Untersuchungen, die belegen, dass es tatsächlich einen Zusammenhang zwischen Geld und Glück gibt - wächst der Kontostand, zieht das Glück mit. Aber nur bis zu einem bestimmten Niveau: Ab einem gewissen Durchschnittseinkommen eines Haushalts pro Jahr (diese Zahl wird zum Beispiel in einer neueren Untersuchung, mit 75.000 Dollar beziffert), läuft das Geld dem Glück davon. Das heißt, dass mehr Moneten in puncto Glück und Lebenszufriedenheit nichts oder nur sehr wenig mehr bringen (sog. Easterlin-Paradoxon). Um dann noch glücklicher zu werden, bedarf es anderer Umstände, die Geldvermehrung spielt keine Rolle mehr.
Interessant ist auch der gesamtgesellschaftliche Zusammenhang. Mag ein Land "rechnerisch" reich sein, muss dies nicht unbedingt heißen, dass die Menschen dort im Durchschnitt glücklich sind. Professor Richard Wilkinson hat mit einer interessanten Methode herausgefunden, dass soziale Ungleichheit, das heißt die Einkommensunterschiede innerhalb einer Gesellschaft, dem Glück abträglich ist, egal wie hoch das Bruttoinlandsprodukt ist. Dazu hat er Statistiken über die soziale Ungleichheit von Menschen in verschiedenen Ländern (und in verschiedenen US-Bundesstaaten) mit Statistiken über Faktoren verglichen, die auf ein gutes Zusammenleben hindeuten, so zum Beispiel über die Lebenserwartung, Selbstmordrate, Substanzabhängigkeit, Teenagerschwangerschaften, Vertrauen von Menschen untereinander usw. Bei ausnahmslos allen Vergleichen zeichnete sich ab, dass mit steigender Ungleichheit auch der jeweils untersuchte Umstand der Lebenszufriedenheit ins Negative rutscht. Dies galt übrigens jeweils auch für reiche Schichten einer ungleichen Gesellschaft gleichermaßen, so dass Geld auch insoweit keinen nennenswerten Schutz vor Unglücklichsein bot. Nun muss ein Zusammentreffen von zwei Statistiken zwar nicht zwingend auf einen kausalen Zusammenhang hinweisen (sog. "cum hoc ergo propter hoc"-Fehlschluss). Doch es wäre schon sehr unwahrscheinlich, dass derselbe zufällige Zusammenhang sich immer und immer wieder wiederholen würde, ohne dass es eine kausale Beziehung gäbe.
Sehr interessant in diesem Zusammenhang sind in jüngster Zeit vorgenommene Untersuchungen über den Einfluss von Geld auf den Gemütszustand einzelner Menschen. In einer Studie der University of California stellte man beispielsweise fest, dass mit dem steigenden Einkommen auch die Rücksichtslosigkeit Mitmenschen gegenüber ansteigt. Obwohl man mit guten Gründen argumentieren kann, dass umgekehrt von vornherein gierige Egoisten auch eher reich werden, ist die Kausalbeziehung durch andere Experimente, insbesondere von Kathleen Vohs von der University of Minnessota immer wieder bestätigt worden. Bekamen Menschen Geld oder dachten sie sogar lediglich daran, waren sie eher selbstbezogen und weniger hilfsbereit als die geldlosen Kontrollgruppen. Geld verdirbt also sprichwörtlich den Charakter. Eine weitere Folge der ungleichen Einkommensverteilung ist daher die tendenzielle Zunahme von Drecksäcken in der Oberschicht - gerade der Personengruppe mit der größten Möglichkeit, in der Gesellschaft etwas zu bewegen.
Um eine gesunde Gesellschaft mit glücklichen Menschen zu haben, braucht man also in monetärer Hinsicht ein finanzielles Mindestfundament und eine Gesellschaft ohne große Schere zwischen Arm und Reich. Wie man dahin kommt - kluge Politiker vor!
Freitag, 18. November 2011
Rotkäppchen und der neue Gott
Als Einwand gegen die hier vorgebrachten Argumente gegen den Glauben an den biblischen Gott wird oft erwidert, dass solch eine Denkweise die Heilige(n) Schrift(en) zu wörtlich nehme. Eigentlich habe sich die Religion seit der Bronzezeit ja weiterentwickelt, deshalb müsse man den tieferen Sinn der Texte durch Auslegung ermitteln, und nicht gegen die "Karikatur der Religion" (Francis Collins) argumentieren.Karikatur der Religion? Na dann wollen wir mal richtig karikieren.
Man stelle sich den folgenden Monolog eines religiösen Eiferes vor:
"Werte Gemeinde! Ich will Sie für eine neue Religion begeistern! Unser aller Messias und Retterin wird von nun an das Rotkäppchen, unsere Heilige Schrift diejenige der Propheten Grimm sein.
Was höre ich da - es soll nur ein Märchen sein? Weit gefehlt, hierin stecken zahllose ethische Botschaften! So steht das rote Käppchen natürlich und offensichtlich für die Menstruation und damit für die geschlechtliche Reife der jungen Damen, die sich nach Erlangung solcher der Unsitte mit Männern (hier: Wölfen) hingeben, was - wie die Allegorie des Gefressenwerdens zeigt - ins Verderben führt. Ein Hauptpostulat unserer Religion wird daher die Reinheit und Jungfräulichkeit der Damen sein - bis zur Ehe selbstverständlich!
Ein weiterer unmissverständlicher moralischer Appell ist der nach Hilfe für die alten und schwachen - das Rotkäppchen zeigt es uns vor, indem es der Großmutter helfen will. Daraus können wir ein allgemeines Liebes- und Aufopferungsgebot für Deinen Nächsten ableiten.
Ferner führt uns die Heilige Schrift eindeutig vor die Augen, dass es ein Leben nach dem Tod gibt - man denke nur an das Rotkäppchen und die Großmutter, die am Ende wie durch ein Wunder auferstehen. Das gibt uns gleich den Beweis, dass es eine unsterbliche Seele gibt, denn ohne sie wäre so etwas nicht möglich! Gleichzeitig sehen wir aber, dass nur gute und sittsame Menschen nach dem Tod auferstehen werden - der Wolf tut es nämlich nicht!
Generell steht über der gesamten Geschichte das große Thema der Gerechtigkeit - die Idee, dass am Ende das Gute siegen, das Böse untergehen und jedem nach seinen Verdiensten gegeben wird. Auch soll die Heilige Schrift uns aufzeigen, dass hinter der schönen Oberfläche oft eine hässliche Gefahr lauert, und wir daher Menschen nicht nach ihrem Äußeren beurteilen, sondern in ihre Seele hineinschauen müssen!
Schlussendlich enthält unsere - wie wir gesehen haben, alle Lebensbereiche umfassende - Heilige Schrift auch eine gute Portion Hoffnung für die Zukunft: So wie in der Nacht die Dunkelheit die Sonne verschlingt, verschlang der Wolf das Rotkäppchen. Und so wie die Sonne am nächsten Tagt wieder aufgeht, entsprang das Rotkäppchen - deren rotes Käppchen ganz klar auch ein Symbol ist für die Sonne - fröhlich und unversehrt dem Bauch des Wolfes.
Alles in allem - eine neue und moderne Religion der Hoffnung, Liebe, Gerechtigkeit und Tiefsinn - auf dass Rotkäppchen wiederkommt und uns alle errettet, amen!!"
Ihr seht - man kann also mit genügend Fantasie und vor allem mit viel Willen und Herzblut aus jeder noch so blöden Geschichte Gutes, Wichtiges - und dem "modernen" Christentum Ähnliches herausholen. Subtrahiert man die "Interpretation", bleibt sowohl vom Märchen vom Rotkäppchen, als auch von der Bibel genau dasselbe.
Dienstag, 5. Oktober 2010
Die drei Fragezeichen
Ein Axiom nennt man in der Mathematik einen nicht abgeleiteten Ausgangssatz, das heißt, eine Aussage, die man als gegeben hinnehmen, niemals aber - innerhalb des entsprechenden Theoriegebildes - beweisen kann. Axiome sind nicht hinterfragte Fundamente, auf die sich der Rest der Theorie gründet. Drei solcher "Glaubenssätze" gibt es aber auch in unserem Alltags(er)leben - drei Dinge, die man nur (mehr oder weniger grundlos) vermuten, keinesfalls aber überprüfen kann. Drei ziemlich grundlegende Dinge noch dazu.
1. Es gibt eine Welt außerhalb des eigenen Bewusstseins
Dies ist die Grundaussage, die der philosophische Ansatz des Solipsismus anzweifelt. So seltsam es klingt: Alles, was man erlebt, und was nicht nur das bloße eigene Bewusstsein ist, die ganze schöne bunte weite Welt da draußen könnte genauso gut meine Einbildung sein, ein Kinofilm, ein Computerspiel, eine Matrix innerhalb meiner Vorstellung ohne tatsächliche greifbare Inhalte. Selbst der eigene Körper könnte eine Chimäre sein, die uns unser Gehirn vorgaukelt, und sogar die Existenz des Gehirns wäre danach zweifelhaft. "Ich denke, also bin ich" ist also etwas zu weit gegriffen. "Ich denke, also gibt es mein Bewusstsein" ist die (leicht zirkuläre) Aussage, die man höchstens mit Sicherheit treffen kann.
2. Ich bin ein konstant seit meiner Geburt existierendes Wesen
Lockern wir nun die Skepsis ein wenig und erlauben, dass es eine objektiv greifbare Welt um uns herum gibt. Dann gibt es aber immer noch keine Garantie dafür, dass ich so alt bin wie es in meinem Pass steht. Jede Nacht nämlich verliere ich für 8 Stunden das Bewusstsein und erlange es dann wieder - oder?.. So merkwürdig es klingt, aber man kann nicht ausschließen, dass ich heute morgen in der jetzigen Gestalt geboren oder sonst wie erschaffen wurde, mit den fertigen Erinnerungen der letzten Jahrzehnte. Oder dass man den gestrigen "mich" umgebracht, geklont und die frische "Kopie", die ich jetzt bin, mit den Erlebnissen meines bisherigen Lebens "geimpft" hat. Man lebt für sich selbst nagelfest beweisbar durchgehend nur, solange man nicht in den Tiefschlaf fällt. Danach fängt das Leben von vorne an - vielleicht als dieselbe Person, die man gestern war, vielleicht aber auch nicht.
3. Du siehst die Farbe Rot genauso, wie ich sie sehe.
Lassen wir noch weiteren Spielraum zu und nehmen nun an, es gebe die Welt außerhalb des Bewusstseins, und man sei auch so lange am Leben, wie man sich zu erinnern glaubt. Damit ist aber nicht gesagt, dass ich die Qualia, den subjektiven Erlebnisgehalt eines mentalen Zustandes, genauso erlebe wie Du. Für mich kann zum Beispiel die Farbe Rot so aussehen wie für Dich Grün, und wir werden trotzdem beide denken, wir sprechen von derselben Farbe, der nämlich, die auf der Ampel oben ist. Man kann einem farbenblinden Menschen tausendmal erzählen, wie die Wellenlänge und sonstige physikalische Eigenschaften der Farbe Rot sind - er wird es verstehen, aber eben nicht erleben. Das Phänomen der Qualia ist etwas höchst Subjektives und von außen Unüberprüfbares. Insoweit ist letztlich jeder wiederum in sich selbst gefangen.
Zweifel gesät? Wie Voltaire sagte: Zweifel ist nicht angenehm, Gewissheit aber ist absurd.
1. Es gibt eine Welt außerhalb des eigenen Bewusstseins

Dies ist die Grundaussage, die der philosophische Ansatz des Solipsismus anzweifelt. So seltsam es klingt: Alles, was man erlebt, und was nicht nur das bloße eigene Bewusstsein ist, die ganze schöne bunte weite Welt da draußen könnte genauso gut meine Einbildung sein, ein Kinofilm, ein Computerspiel, eine Matrix innerhalb meiner Vorstellung ohne tatsächliche greifbare Inhalte. Selbst der eigene Körper könnte eine Chimäre sein, die uns unser Gehirn vorgaukelt, und sogar die Existenz des Gehirns wäre danach zweifelhaft. "Ich denke, also bin ich" ist also etwas zu weit gegriffen. "Ich denke, also gibt es mein Bewusstsein" ist die (leicht zirkuläre) Aussage, die man höchstens mit Sicherheit treffen kann.
2. Ich bin ein konstant seit meiner Geburt existierendes Wesen

Lockern wir nun die Skepsis ein wenig und erlauben, dass es eine objektiv greifbare Welt um uns herum gibt. Dann gibt es aber immer noch keine Garantie dafür, dass ich so alt bin wie es in meinem Pass steht. Jede Nacht nämlich verliere ich für 8 Stunden das Bewusstsein und erlange es dann wieder - oder?.. So merkwürdig es klingt, aber man kann nicht ausschließen, dass ich heute morgen in der jetzigen Gestalt geboren oder sonst wie erschaffen wurde, mit den fertigen Erinnerungen der letzten Jahrzehnte. Oder dass man den gestrigen "mich" umgebracht, geklont und die frische "Kopie", die ich jetzt bin, mit den Erlebnissen meines bisherigen Lebens "geimpft" hat. Man lebt für sich selbst nagelfest beweisbar durchgehend nur, solange man nicht in den Tiefschlaf fällt. Danach fängt das Leben von vorne an - vielleicht als dieselbe Person, die man gestern war, vielleicht aber auch nicht.
3. Du siehst die Farbe Rot genauso, wie ich sie sehe.

Lassen wir noch weiteren Spielraum zu und nehmen nun an, es gebe die Welt außerhalb des Bewusstseins, und man sei auch so lange am Leben, wie man sich zu erinnern glaubt. Damit ist aber nicht gesagt, dass ich die Qualia, den subjektiven Erlebnisgehalt eines mentalen Zustandes, genauso erlebe wie Du. Für mich kann zum Beispiel die Farbe Rot so aussehen wie für Dich Grün, und wir werden trotzdem beide denken, wir sprechen von derselben Farbe, der nämlich, die auf der Ampel oben ist. Man kann einem farbenblinden Menschen tausendmal erzählen, wie die Wellenlänge und sonstige physikalische Eigenschaften der Farbe Rot sind - er wird es verstehen, aber eben nicht erleben. Das Phänomen der Qualia ist etwas höchst Subjektives und von außen Unüberprüfbares. Insoweit ist letztlich jeder wiederum in sich selbst gefangen.
Zweifel gesät? Wie Voltaire sagte: Zweifel ist nicht angenehm, Gewissheit aber ist absurd.
Montag, 28. Juni 2010
Unsere unwahrscheinliche Welt
Von allen Gottesbeweisen und sonstigen Argumenten fuer die Existenz Gottes, die die Menscheit je ersonnen hat, sind die meisten Unsinn (s. hier). Ein einziges jedoch hat eine Art Prima-facie-Plausibilität, die ihm eine gewisse herausragende Position unter all den anderen gibt. Das Argument gründet sich auf Tatsachen und Forschungsergebnissen und ist daher schwieriger zu widerlegen. Deshalb widme ich ihm einen separaten Beitrag.
Es ist das Problem der Feinabstimmung der Naturkostanten. Das Universum, wie wir es kennen, beruht auf Naturgesetzen. Diese wiederum beinhalten bestimmte Konstanten - etwa die Stärke der Gravitation, die Masse der Elementarteilchen oder die Anzahl der Dimensionen im Raum. All diese Werte zusammengenommen ergeben ein fragiles Gleichgewicht, das genau das Weltall ergibt, das uns Menschen hervorgebracht hat. Wären auch nur ein paar dieser Werte um ein paar Prozent anders, gäbe es keine Kernfusion, kein Sonnenfeuer, kein Kohlenstoff für die DNA und keine chemische Reaktion zwischen Wasserstoff und Sauerstoff, die uns unser liebes H2O beschert hat. (Menschliches) Leben wäre mit Sicherheit unmöglich. Der Physiker Roger Penrose hat spaßenshalber ausgerechnet, dass die Wahrscheinlichkeit, dass alle Naturkonstanten genau den uns bekannten Wert haben, 10 hoch 10 hoch 123 beträgt. Da scheint doch jemand förmlich beim Urknall an den Reglern gedreht und genau die richtigen Zahlen vorgegeben zu haben! Das Universum scheint doch geradezu für Menschen geschaffen worden zu sein, nicht? Man kann beim Welterschaffen doch nicht 10 hoch 10 hoch 123 Mal würfeln!
Moment.
So fein abgestimmt für unser Dasein ist das Universum gar nicht. Dessen lebensfeindlicher Teil ist so nah an 100 %, dass es einem den Atem verschlägt. Die kleine biologische Nische, die wir hier auf der Erde im hinteren Winkel des Alls bewohnen, ist so winzig, dass das Argument schon an dieser Stelle genauso viel Überzeugungsraft hat wie die Aussage des einzigen Bakteriums in einem Fußballstadion, man hätte selbiges auf seine Existenz "fein abgestimmt".
Aber selbst wenn man darüber hinweggeht: Das Argument der "feinen Abgestimmtheit" beruht auf einem Denkfehler, nämlich auf dem Schluss: "unwahrscheinlich = bezweckt". Wenn die Wahrscheinlichkeit für das zufällige Zustandekommen eines Ereignisses gering ist, denken wir automatisch, irgendjemand habe es absichtlich und zielgerichtet verursacht. Dem ist aber dann nicht zwingend so, wenn es haufenweise vergleichbare, "gleich unwahrscheinliche" Ereignisse alternativ dazu geben kann. Beispiel: Ich würfle zehnmal hintereinander und bekomme die Kombination 2524116235 raus. Dass gerade dies herauskommt, ist in höchstem Maße unwahrscheinlich, doch habe ich das Ergebnis andererseits in keiner Weise willentlich herbeigeführt - eine Unmenge an genauso unwahrscheinlichen Würfelergebnissen lässt sich ja daneben zwanglos vorstellen. Denkt man den Fehler weiter, kann man zu gar grotesken Ergebnissen kommen: Wenn beispielsweise Hitler den Zweiten Weltkrieg nicht vom Zaun gebrochen hätte, hätten sich meine Eltern nie kennengelernt, da zumindest das Schicksal meiner Mutter dann ganz anders verlaufen wäre. Heißt das, das Hitler meine Geburt beabsichtigt hat? Natürlich nicht - er setzte einfach eine (der vielen) Ursachen für mein (unwahrscheinliches) Zustandekommen. Und wenn irgendeine dieser Ursachen etwas anders gewesen wäre, dann hätte sich die Welt halt anders entwickelt - ohne mich, mit anderen Menschen, aber genauso gut. Mich dermaßen ins Zentrum der Welt zu rücken und zu sagen, irgendjemand habe meine Geburt bezweckt, ist gelinde gesagt übertrieben.
Derselbe Fehlschluss lag dem ominösen "Bibelcode" zugrunde, bei dem man die Texte u.a. des Genesis-Buchs auf eine trickreiche Weise gelesen (man lese etwa jeden vierten Buchstaben etc.) und in diesem "Code" Vorhersagen der Ermordung Yitzhak Rabins sowie des Kampfes gegen Bin Laden gefunden haben will. Aber auch dieses scheinbar durch Zufall schwer erklärliche Ergebnis kann man leicht erklären: Wenn man nach irgendeiner Buchstabenkombination sucht und dann jedoch die Wahrscheinlichkeit gerade des Gefundenen berechnet, kommt man zu grandiosen, aber nichts sagenden Wahrscheinlichkeitszahlen. Folgerichtig haben Tüftler mit derselben Methode in der Bibel unter anderem die Aussage "There is no God" gefunden. Wie hoch wohl ist die Wahrscheinlichkeit dafür ist?..
Und so sollte man auch beim Problem der Feinabstimmung der Naturkonstanten denken: Unbemerkt verengt man dabei nämlich den Kreis der möglichen Ergebnisse der Wahrscheinlichkeitsrechnung auf die eine Welt, in der wir leben, und auf die eine Lebensform, die wir kennen, namentlich die kohlenstoffbasierte DNA-/RNA-gestützte. Niemand hat aber gesagt, dass das die einzige mögliche Lebensform schlechthin ist. Mag das Universum bei veränderten Ausgangspositionen ohne Sterne und Wasser entstehen, mag es gar nur 1000 Jahre existieren, uns fehlt einfach die Fantasie, uns vorzustellen, welche anderen, mit uns gar nicht vergleichbaren, aber jeweils für sich genommen "gleich unwahrscheinlichen" Lebensformen es dann geben kann. Das Argument gründet sich deshalb auf dem von dem großen Carl Sagan zutreffend titulierten "Kohlenstoffchauvinismus". Das Leben, wie wir es kennen, ist das Ergebnis der vorgegebenen Naturkonstanten, und nicht umgekehrt. Wer denkt, das Universum sei dem Menschen "angepasst" worden, unterliegt dem typischen Größenwahn der religiösen Menschen - und setzt daher durch die Hintertür das voraus, was er durch die Feinabstimmung der Naturkonstanten beweisen möchte - die Existenz Gottes. So gesehen ist das Argument letztlich doch nur ein Zirkelschluss.
Mittwoch, 24. Februar 2010
Die Liebe in Zeiten des Urwalds
Bist Du ein Romantiker, solltest Du Dir überlegen, ob Du diesen Beitrag weiter lesen willst. Wir wollen nämlich die evolutionsbiologischen Ursprünge der Partnerwahl und -bindung ein wenig beleuchten. Und die haben wenig mit Liebe, sondern vor allem mit Mathematik, Taktik und kühlen Tatsachen zu tun. Um uns die Frage zu stellen, was uns zueinander treibt und aneinander bindet, müssen wir nämlich die Sicht der Gene einnehmen und die Sache aus ihrer Perspektive anhand ihrer Interessen betrachten. Denn alle Liebesgefühle zum Partner empfinden wir natürlich nur deshalb, weil unsere Gene uns so gebaut haben, dass wir gerade und genau diese Gefühle haben sollen. Also: bereit für die Wahrheit?Männer sind Lüstlinge, Damen eher Hausfrauen.
Das ist unser Ausgangspunkt und da können sich Feministinnen noch so sehr aufregen: Die Geschlechter sind nun mal mit einer angeborenen Asymmetrie ausgestattet: Weibchen sind per definitionem diejenigen, die größere und aufwendigere Geschlechtszellen haben. Männchen sind "die anderen", die die Weibchen befruchten. Das Weibchen will die wertvollen Ressourcen für die "teuren" Eizellen nicht verschwenden, wählt seinen Partner deshalb sehr genau aus und kümmert sich auch nach der Befruchtung um das Austragen des Kindes, das Großziehen, Ernähren, Pflegen etc. Das Männchen ist da viel leichtlebiger, da seine Geschlechtszellen billig in der Herstellung sind: Es muss nur ein gesundes Weibchen "überzeugen", sich von ihm befruchten zu lassen. Oder auch mehrere Weibchen. Eigentlich so viele Weibchen, wie es nur geht. Also sind - auch bei den Menschen - Männer tendenziell Angeber und Lüstlinge und Frauen - na ja, sagen wir: verlieren nicht so leicht den Kopf. Nicht umsonst war das weibliche Element seit je her mit Beständigkeit und Bodenhaftung assoziiert ("Mutter Erde", das lateinische "mater" in dem Wort "Materie"), während das Maskuline wie Wind und Hauch im Himmel zu verorten war ("Vater unser im Himmel", "der Heilige Geist" etc.). Alfred Kinsey drückte es dagegen experimentell-prosaisch so aus: "Cheese crumbs spread in front of copulating rats will distract the female but not the male".
Der aufrechte Gang ist der Ursprung der Liebe
Nein, nicht Jesus ist der Ursprung der Liebe, sondern der aufrechte Gang der Menschen. Er bedingt nämlich ein schmales Becken, weil das Wesen ansonsten nicht aufrecht laufen kann. Ein schmales Becken bedingt wiederum einen frühen Geburtstermin, weil der wachsende (bei den Menschen vergleichsweise große) Kopf sonst nicht durchpasst. Daher kommt das menschliche Kind eigentlich zu früh zur Welt. Ein Schimpansenbaby kann sich zum Beispiel relativ bald an die Mama klammern und krabbeln. Ein Menschenskind ist dagegen die ersten paar Jahre ein schutzloser schreiender Fleischklumpen. Eine Mutter allein kann es nicht versorgen, oder jedenfalls nicht so gut wie Mutter und Vater gemeinsam. Wie bindet man aber den Vater, der ja eigentlich nach dem erfolgreichen Befruchtungsvorgang weiter ziehen will (s.o.), an die Mutter? - Aha - die Liebe! Zu dieser Annahme passt auch der Befund, dass die meisten Paar-Trennungen - sozusagen der Tiefpunkt der Liebe - nach etwa vier Jahren geschehen, also evolutionshistorisch gesehen dann, wenn das Kind schon laufen und sprechen kann und nicht mehr so hilflos ist. Ab dem Zeitpunkt ist die männliche Genverbreitungswahrscheinlichkeit durch weitere Befruchtungen höher als durch weitere Zeit- und Ressourceninvestitionen in das bereits vorhandene Kind.
Männer suchen Schönheit, Frauen Status
Schon wieder eine anscheinend sexistische Aussage - und schon wieder eine, die stimmt. Denn Schönheit steht für Gesundheit und Fruchtbarkeit (s. hier) - und Status steht für vorhandene Ressourcen innerhalb der sozialen Hierarchie der Gesellschaft. So sind beide primären Geschlechterinteressen befriedigt. Ein hübscher Burger-Verkäufer ist daher - experimentell nachgewiesen - für Frauen nicht so attraktiv wie ein hässlicher Träger schicker Anzüge. Umgekehrt haben Frauen tendenziell um so mehr Sexualpartner, je unattraktiver sie sich selbst finden (Nachweis hier) - wenn sie sich wegen mangelnder Schönheit keine großen Chancen auf einen qualitativen Partner versprechen, probieren sie es halt mit der Menge.
Und noch einmal: diese Präferenzen können sich hinter den idealistischsten Gefühlen verstecken - schließlich sagen uns unsere Gene, was wir beim Anblick des einen oder der anderen empfinden sollen.
Männer und Frauen haben einen guten Grund zum Seitensprung
So, nun haben sich Mann und Frau zusammengefunden. Doch halt - man kann die so gesteigerten Überlebenschancen für den Nachwuchs noch weiter verbessern. Und zwar bei Männern dadurch, dass sie neben den "gesetzlichen" Kindern noch weitere bei gelegentlichen Liaisons links und rechts zeugen. Denn auch wenn sie für diese neuen Nachkommen nicht so intensiv sorgen können, vielleicht macht's die Anzahl. Von 10 außerehelichen Kindern werden 2 vielleicht überleben. Und das ist besser als kein Seitensprung und "nur" die ehelichen Kinder zu haben. Die Kosten eines Seitensprungs sind ja gering, der Ertrag kann sich dagegen lohnen. Kühle Mathematik.
Die Frauen sind aber auch nicht besser. Für sie lohnt es sich, einen treusorgenden Familienvater zu finden, der bereit ist, Jahre seines Lebens in den Nachwuchs zu investieren, und dann eine Affäre mit einem genetisch besser ausgestatteten Mann zu haben, von dem sie die gesünderen Erbanlagen fürs Kind holt. Das Kind darf dann der gehörnte treusorgende Vater erziehen. So hat sie das beste aus beiden Welten. Auch hier kühle Mathematik.
Monogamie verhindert Bürgerkriege
Monogamie - also die Zuordnung einer Frau zu einem Mann - ist letztlich eine soziale Befriedungsmaßnahme. Polygame Gesellschaften (bei denen immer der Mann mehrere Frauen hatte und nicht umgekehrt) gab es zwar schon seit Ewigkeiten. Jedoch ist eine solche polygame Gesellschaft aus genetischer Sicht für Frauen gut und für Männer schlecht. Frauen können sich einen gesunden und wohlhabenden Mann teilen, der gute Gene beisteuert und für den Nachwuchs sorgt. Die Frauen, die solch ein (in allen Hinsichten) potenter Mann "zuviel" hat, fehlen aber am "unteren" Ende der sozialen Hierarchie der Männer. D.h., die Polygamie führt dazu, dass es viele frauenlose junge frustrierte Männer gibt. Und solche Männer werden daher um so aggressiver und unruhiger - sie haben nämlich nichts zu verlieren - und wenden sich gegen die "Oberen", die die Frauen unter sich "monopolisiert" haben. So was bringt Unruhe in die Gesellschaft, deshalb fahren monogame Gesellschaften auf Dauer besser. Monogamie ist also ein Mittel zur Ruhigstellung der männlichen Unterschicht. Die Leidtragenden sind hier die Frauen, denn neben dem Entzug der Vorteile der Polygamie (s.o.) werden sie auch noch drakonischen Maßnahmen gegen die Gefahr eines Seitensprungs wie etwa Kopftuch, Genitalbeschneidung, eheliche Gewalt etc. unterworfen. Hauptsache, die Frau an der Fortpflanzung mit anderen hindern, so dass man die eigene Zeit und Ressourcen nicht für Kinder anderer Männer verschwendet. Man hat ja nur die eine Frau zugeteilt bekommen und will sie unter Kontrolle haben. Frauen opfern sich also in dieser Hinsicht, um Frieden in die Gesellschaft zu bringen. Ein Dankeschön an dieser Stelle an alle tapferen Frauen!
So, und nun holen wir nach all den Offenbarungen tief Luft und singen:
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