Mittwoch, 24. Februar 2010

Die Liebe in Zeiten des Urwalds

Bist Du ein Romantiker, solltest Du Dir überlegen, ob Du diesen Beitrag weiter lesen willst. Denn wir wollen nämlich die evolutionsbiologischen Ursprünge der Partnerwahl und -bindung ein wenig beleuchten. Und die haben wenig mit Liebe, sondern vor allem mit Mathematik, Taktik und kühlen Tatsachen zu tun. Um uns die Frage zu stellen, was uns zueinander treibt und aneinander bindet, müssen wir nämlich die Sicht der Gene einnehmen und die Sache aus ihrer Perspektive anhand ihrer Interessen betrachten. Denn alle Liebesgefühle zum Partner empfinden wir natürlich nur deshalb, weil unsere genetisches Erbe uns so beeinflusst, dass wir gerade und genau diese Gefühle haben sollen. Also: bereit für die Wahrheit?

Männer sind Lüstlinge, Damen eher Hausfrauen.

Das ist unser Ausgangspunkt und da können sich Feministinnen noch so sehr aufregen: Die Geschlechter sind nun mal mit einer angeborenen Asymmetrie ausgestattet: Weibchen sind per definitionem diejenigen, die größere und aufwendigere Geschlechtszellen haben. Männchen sind "die anderen", die die Weibchen befruchten. Das Weibchen will die wertvollen Ressourcen für die "teuren" Eizellen nicht verschwenden, wählt seinen Partner deshalb sehr genau aus und kümmert sich auch nach der Befruchtung um das Austragen des Kindes, das Großziehen, Ernähren, Pflegen etc. Das Männchen ist da viel leichtlebiger, da seine Geschlechtszellen billig in der Herstellung sind: Es muss nur ein gesundes Weibchen "überzeugen", sich von ihm befruchten zu lassen. Oder auch mehrere Weibchen. Eigentlich so viele Weibchen, wie es nur geht. Also sind - auch bei den Menschen - Männer tendenziell Angeber und Lüstlinge und Frauen - na ja, sagen wir: verlieren im Allgemeinen nicht so leicht den Kopf. Nicht umsonst war das weibliche Element seit je her mit Beständigkeit und Bodenhaftung assoziiert ("Mutter Erde", das lateinische "mater" in dem Wort "Materie"), während das Maskuline wie Wind und Hauch im Himmel zu verorten war ("Vater unser im Himmel", "der Heilige Geist" etc.). Alfred Kinsey drückte es dagegen experimentell-prosaisch so aus: "Cheese crumbs spread in front of copulating rats will distract the female but not the male".

Der aufrechte Gang ist der Ursprung der Liebe

Nein, nicht Jesus ist der Ursprung der Liebe, sondern der aufrechte Gang der Menschen. Er bedingt nämlich ein schmales Becken, weil das Wesen ansonsten nicht aufrecht laufen kann. Ein schmales Becken bedingt wiederum einen frühen Geburtstermin, weil der wachsende (bei den Menschen vergleichsweise große) Kopf sonst nicht durchpasst. Daher kommt das menschliche Kind eigentlich zu früh zur Welt. Ein Schimpansenbaby kann sich zum Beispiel relativ bald an die Mama klammern und krabbeln. Ein Menschenskind ist dagegen die ersten paar Jahre ein schutzloser schreiender Fleischklumpen. Eine Mutter allein kann es nicht versorgen, oder jedenfalls nicht so gut wie Mutter und Vater gemeinsam. Wie bindet man aber den Vater, der ja eigentlich nach dem erfolgreichen Befruchtungsvorgang weiter ziehen will (s.o.), an die Mutter? - Aha - die Liebe! Zu dieser Annahme passt auch der Befund, dass die meisten Paar-Trennungen - sozusagen der Tiefpunkt der Liebe - nach etwa vier Jahren geschehen, also evolutionshistorisch gesehen dann, wenn das Kind schon laufen und sprechen kann und nicht mehr so hilflos ist. Ab dem Zeitpunkt ist die männliche Genverbreitungswahrscheinlichkeit durch weitere Befruchtungen höher als durch weitere Zeit- und Ressourceninvestitionen in das bereits vorhandene Kind.

Männer suchen Schönheit, Frauen Status

Schon wieder eine anscheinend sexistische Aussage - und schon wieder eine, die stimmt. Denn Schönheit steht für Gesundheit und Fruchtbarkeit (s. hier) - und Status steht für vorhandene Ressourcen innerhalb der für Primaten unabdingbaren sozialen Hierarchie der Gesellschaft. So sind beide primären Geschlechterinteressen befriedigt. Ein hübscher Burger-Verkäufer ist daher - experimentell nachgewiesen - für Frauen nicht so attraktiv wie ein hässlicher Träger schicker Anzüge. Umgekehrt haben Frauen tendenziell um so mehr Sexualpartner, je unattraktiver sie sich selbst finden (Nachweis hier) - wenn sie sich wegen mangelnder Schönheit keine großen Chancen auf einen qualitativen Partner versprechen, probieren sie es halt mit der Menge.

Und noch einmal: diese Präferenzen können sich hinter den idealistischsten Gefühlen verstecken - der genetische Quellcode ist aber so geschrieben wie gezeigt.


Männer und Frauen haben einen guten Grund zum Seitensprung


So, nun haben sich Mann und Frau zusammengefunden. Doch halt - man kann die so gesteigerten Überlebenschancen für den Nachwuchs noch weiter verbessern. Und zwar bei Männern dadurch, dass sie neben den "gesetzlichen" Kindern noch weitere bei gelegentlichen Liaisons links und rechts zeugen. Denn auch wenn sie für diese neuen Nachkommen nicht so intensiv sorgen können, vielleicht macht's die Anzahl. Von 10 außerehelichen Kindern werden 2 vielleicht überleben. Und das ist besser als kein Seitensprung und "nur" die ehelichen Kinder zu haben. Die Kosten eines Seitensprungs sind ja gering, der Ertrag kann sich dagegen lohnen. Kühle Mathematik.

Die Frauen sind aber auch nicht besser. Für sie lohnt es sich, einen treusorgenden Familienvater zu finden, der bereit ist, Jahre seines Lebens in den Nachwuchs zu investieren, und dann eine Affäre mit einem genetisch besser ausgestatteten Mann zu haben, von dem sie die gesünderen Erbanlagen fürs Kind holt. Das Kind darf dann der gehörnte treusorgende Vater erziehen. So hat sie das beste aus beiden Welten. Auch hier kühle Mathematik.

Monogamie verhindert Bürgerkriege

Monogamie - also die Zuordnung einer Frau zu einem Mann - ist letztlich eine soziale Befriedungsmaßnahme. Polygame Gesellschaften (bei denen immer der Mann mehrere Frauen hatte und nicht umgekehrt) gab es zwar schon seit Ewigkeiten. Jedoch ist eine solche polygame Gesellschaft aus genetischer Sicht für Frauen gut und für Männer schlecht. Frauen können sich einen gesunden und wohlhabenden Mann teilen, der gute Gene beisteuert und für den Nachwuchs sorgt. Die Frauen, die solch ein (in allen Hinsichten) potenter Mann "zuviel" hat, fehlen aber am "unteren" Ende der sozialen Hierarchie der Männer. D.h., die Polygamie führt dazu, dass es viele frauenlose junge frustrierte Männer gibt. Und solche Männer werden daher um so aggressiver und unruhiger - sie haben nämlich nichts zu verlieren - und wenden sich gegen die "Oberen", die die Frauen unter sich "monopolisiert" haben. Ein gutes Beispiel unter vielen ist etwa die Gewaltbereitschaft im männerbeherrschten "Wild West" in der Zeit der Besiedelung des amerikanischen Westens. So was bringt Unruhe in die Gesellschaft, deshalb fahren monogame Gesellschaften auf Dauer besser. Monogamie ist also ein Mittel zur Ruhigstellung und Zivilisierung der männlichen Unterschicht. Die Leidtragenden sind hier die Frauen, denn neben dem Entzug der Vorteile der Polygamie (s.o.) werden sie auch noch drakonischen Maßnahmen gegen die Gefahr eines Seitensprungs wie etwa Kopftuch, Genitalverstümmelung, eheliche Gewalt etc. unterworfen. Hauptsache, die Frau an der Fortpflanzung mit anderen hindern, so dass man die eigene Zeit und Ressourcen nicht für Kinder anderer Männer verschwendet. Man hat ja nur die eine Frau zugeteilt bekommen und will sie unter Kontrolle haben. Frauen opfern sich also in dieser Hinsicht, um Frieden in die Gesellschaft zu bringen. Ein Dankeschön an dieser Stelle an alle tapferen Frauen!

So, und nun holen wir nach all den Offenbarungen tief Luft und singen:

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