Donnerstag, 22. November 2007

Astro-Logik

...Sonne in Löwe, Mond in Kakerlake, Aszendent Ameisenbär. Hat Astrologie einen Sinn? Gibt es eine Astro-Logik? - Na ja. Die Grundlagen dieser ganz besonders "intelligenten" Esoterik-Disziplin halten nicht der geringsten logischen Prüfung stand. Klar, die meisten Leute nehmen Astrologie sowieso nicht zu ernst, aber man fragt sich schon ein wenig, was so ein Schmu in unserer doch eher vernunftorientierten Welt in Zeitungen und Bücherläden verloren hat. Wo fange ich denn nur mit dem Demontieren an?

"Vorhersagen sind schwierig", scherzte Mark Twain geistreich, "insbesondere über die Zukunft". Und er hatte Recht. Genaue Prognosen a la "Am 5.6.2009 werden Sie vermutlich in einem öffentlichen Verkehrsmittel die Liebe Ihres Lebens treffen" widersprechen einer der grundlegendsten Annahmen der modernen Physik - der Unschärferelation. Sie macht jede genaue Vorhersage über die Zukunft - und damit jegliche Vorstellung eines "Schicksals" - unmöglich. Die Unschärferelation besagt (vereinfacht), dass man nicht gleichzeitig Position und Geschwindigkeit eines Teilchens messen kann, sondern immer nur entweder oder. Den Vorhersagen über den Lauf der Welt sind damit intrinsische, unüberwindbare Schranken gesetzt. Selbst wenn jemand (der Laplace'sche Dämon) in einen riesigen Computer die Information über die gesamte Materie der Welt eingeben würde - er könnte aufgrund der in das Gewebe der Wirklichkeit eingebauten notwendigen Unsicherheit höchstens eine vorsichtige Schätzung wagen. Und Astrologen wissen weniger als Supercomputer, darauf können wir uns, glaube ich, einigen. Also: Kein Schicksal, keine exakt vorherzusagenden Ereignisse.

Aber ich bin insoweit beruhigt: Ich habe noch von keinem Astrologen oder Wahrsager je eine exakte Vorhersage gehört. Zu viel Angst haben sie davor, sich festzulegen - es könnte ja nicht stimmen. Sie machen da eher "Tendenzen" aus. Jedoch hat schon das gedankliche Gerüst der Astrologie aus naturwissenschaftlicher Sicht so was von gar keinen Sinn, dass es schmerzt.

Es fängt schon damit an, dass die Namen der Planeten, die mit griechischen Gottheiten verbunden sind, völlig willkürlich ausgewählt wurden. Warum muss gerade der vierte Planet Mars heißen und Aggression und Kampflust signalisieren? Wieso steht der Planet, den wir "Jupiter" nennen, nicht für, sagen wir mal, Liebe und Anmut wie etwa Venus? Gut, Jupiter ist dick, aber manche mögen ja auch wohlgerundete Damen. Und warum nehmen wir nur griechisch-römische Götter? Eine schicke shintoistische Reis-Gottheit würde es doch auch tun. Dann wären auch die Vorhersagen erfrischend anders: "Morgen werden Sie wieder unter dem Einfluss der Reis-Göttin stehen. Hüten Sie sich vor Verstopfung..." Und wer schon mal nachts gen Himmel geschaut und sich dabei gefragt hat, wo denn beim Sternbild "Großer Bär" eine auch nur entfernte Ähnlichkeit mit einem Bär ist, kann diesen Gedanken gern zu Ende denken. Zufall und Beliebigkeit regieren hier die Astrologie.

Hinzu kommt, dass der Einfluss der Sterne oder Planeten im Moment der Geburt verschwindend gering ist. Von den vier bekannten Kräften der Physik erreicht im Regelfall nur die Gravitationskraft der Himmelskörper das Neugeborene. Und da die Gravitation mit dem Quadrat der Entfernung abnimmt, übt die Hebamme eine um ein Vielfaches höhere Kraft auf das Baby aus als Uranus. Vielleicht brauchen wir eine neue Wissenschaft, die Hebammologie - mit ihr ließen sich dann eventuell bessere Prognosen treffen.

Und übrigens: Der "Aszendent" (das im Moment der Geburt am Himmel aufsteigende Sternzeichen), dem man in der Astrologie gelegentlich begegnet, ist, denke ich, nur deshalb erfunden, damit man falsche Aussagen korrigieren kann. "Sie als Stier müssen sehr materiell eingestellt und wohlhabend sein" - "Eh, nein, ich bin Hartz-IV-Empfänger" - "Ach so, das liegt an Ihrem Aszendenten!..."

Nachgewiesen ist andererseits aber, dass die Jahreszeit, in der man geboren wird, einen Einfluss auf den Menschen hat. Dies ist aber ein Phänomen des vielversprechenden Wissenschaftszweigs der Epigenetik, also der Lehre von der unmittelbaren genetischen Reaktion auf Umwelteinflüsse und hat nichts mit dem alten Hokus-Pokus der Sternendeuter zu tun.

Es gab 1979 ein wunderschönes Experiment: Man hat einer Vielzahl von Menschen angeblich für sie maßgeschneiderte Horoskope zu lesen gegeben und sie danach gefragt, wie genau ihre Persönlichkeit beschrieben wurde. Mehr als 90 % waren begeistert. Was sie nicht wussten: Man hatte ihnen das exakt gleiche Horoskop gegeben - das eines Massenmörders.

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